Payment in Lieu of Dividend: die Zeile im Kontoauszug, die keine Dividende ist

Payment in Lieu of Dividend

Die Aktie liegt im Depot, der Zahltag kommt, der Betrag ist auch da. Im Kontoauszug steht allerdings „Payment in Lieu of Dividend“ statt „Dividend“. Gleiche Summe, anderer Vorgang, und steuerlich ein anderes Thema. Wer das übersieht, trägt in der Anlage KAP etwas ein, das dort so nicht hingehört.

Kurz gefasst: Eine Payment in Lieu, kurz PIL, ist eine Ersatzzahlung für eine Dividende. Sie entsteht, wenn deine Aktie am Dividendenstichtag verliehen oder verpfändet war, und als Belastung, wenn du short warst. Wirtschaftlich stehst du gleich da, steuerlich nicht: Die Zahlung ist keine Dividende, und die Anrechnung ausländischer Quellensteuer ist deshalb der kritische Punkt.

Was genau da passiert ist

Eine Dividende bekommt, wem die Aktie am Stichtag zugerechnet wird. Liegt dein Stück zu diesem Zeitpunkt bei jemand anderem, weil es verliehen wurde, bekommt dieser andere die Ausschüttung. Damit du nicht leer ausgehst, schreibt dir der Broker denselben Betrag gut, aber eben als Ersatzzahlung. Interactive Brokers beschreibt die PIL genau so: als Gutschrift oder Belastung in Anerkennung einer gezahlten Dividende.

Das klingt nach Buchhaltungsdetail und ist auch eins, bis die Steuererklärung ansteht.

Wie du in die Lage kommst

Drei Wege zu einer Payment in Lieu: Margin-Konto, freiwilliger Aktienverleih über SYEP und Short-Position
Zwei Wege führen zu einer Gutschrift, einer zu einer Belastung

Der häufigste Weg ist das Margin-Konto, und zwar ohne dass du irgendetwas aktiv tust. Ein Broker, der Käufe über einen Margin-Kredit finanziert, darf die Wertpapiere dieses Kunden verleihen oder als Sicherheit verpfänden. Ist deine Aktie am Dividendenstichtag gerade draußen, kommt eine PIL statt der Dividende. Ausschließen lässt sich das nur mit einem reinen Cash-Konto, und damit fallen Margin und ein Großteil des Optionshandels weg.

Der zweite Weg ist das Stock Yield Enhancement Program, bei dem du deine voll bezahlten Aktien bewusst verleihst und dafür die halbe Leihgebühr bekommst. Hier arbeitet IBKR allerdings gegen das Problem: Verliehene Stücke werden in der Regel vor dem Ex-Tag zurückgerufen, damit die echte Dividende bei dir ankommt. Verlassen würde ich mich darauf nicht, aber der Regelfall ist es.

Der dritte Weg geht in die andere Richtung. Bist du in einer Aktie short, schuldest du dem Verleiher die Ausschüttung. Die PIL wird dann als Belastung ins Konto gebucht. Für Stillhalter ist der Nebenweg dorthin wichtiger als die Short-Position selbst: Fällt der Zeitwert eines Short Calls kurz vor dem Ex-Tag unter die erwartete Dividende, wird die vorzeitige Andienung wirtschaftlich sinnvoll. Danach bist du über den Stichtag short in der Aktie und zahlst die Ausschüttung.

Woran du es im Auszug erkennst

Im englischsprachigen Activity Statement heißt die Zeile „Payment In Lieu Of Dividends“, die normale Ausschüttung dagegen schlicht „Dividends“. Beide stehen im selben Abschnitt, untereinander, in derselben Spaltenstruktur. Beim Überfliegen sieht man zwei Gutschriften zum selben Ticker und denkt sich nichts dabei.

Genau das kommt vor: Derselbe Wert kann im selben Jahr beides erzeugen, weil die Leihe schwankt. Im Frühjahr war das Stück verliehen, im Herbst nicht, also steht einmal PIL und einmal Dividend im Auszug. Sortieren nach Ticker reicht deshalb nicht, du musst nach der Bezeichnung trennen.

Daneben taucht häufig eine Zeile zur einbehaltenen Quellensteuer auf. Ob und in welcher Höhe bei einer Ersatzzahlung etwas einbehalten wurde, unterscheidet sich je nach Konstellation, und genau diese Zahl brauchst du später. Notier sie dir zusammen mit der zugehörigen Zeile, statt beide getrennt zu summieren.

Warum die Steuer anders aussieht

Steuerpflichtig ist die Zahlung auf jeden Fall. Das deutsche Einkommensteuergesetz erfasst in § 20 Abs. 1 Nr. 1 Satz 4 ausdrücklich Einnahmen, die anstelle der Dividende von jemand anderem als dem Anteilseigner bezogen werden, und behandelt diese Dividendenkompensationszahlungen als sonstige Bezüge. Dem Grunde nach also Kapitalertrag wie eine Dividende.

Der Unterschied liegt bei der Quellensteuer. Bei einer echten US-Dividende behältst du 15 Prozent im Quellenstaat, die sich nach Doppelbesteuerungsabkommen auf die deutsche Abgeltungsteuer anrechnen lassen. Bei einer Ersatzzahlung ist das strittig, weil es sich nicht um die originäre Dividende handelt. Gerichte haben für Fälle rund um Leerverkäufe entschieden, dass eine Anrechnung einen Steuerabzug auf die Kompensationszahlung selbst voraussetzt, und die Zahlung eher als Ersatzleistung eingeordnet.

In der Praxis kommt dazu, dass ein ausländischer Broker ohnehin keine deutsche Steuerverrechnung und keine automatische Quellensteueranrechnung vornimmt. Alles läuft über die Anlage KAP, und dort musst du zumindest wissen, welche Zeile du vor dir hast. Ob und in welcher Höhe eine Anrechnung in deinem konkreten Fall möglich ist, hängt an Details, die ein Blogartikel nicht klären kann. Das gehört zum Steuerberater, und zwar bevor die Erklärung rausgeht.

Was du praktisch tun kannst

Wenn Dividendenaktien einen relevanten Teil deines Depots ausmachen, lohnt sich ein Blick auf die Teilnahme am Verleihprogramm. Die Leihgebühr ist bei den meisten Standardwerten gering, und sie steht gegen das Risiko einer steuerlich schlechter gestellten Ersatzzahlung.

Beim Optionshandel hilft ein Blick in den Kalender. Vor jedem Ex-Tag, an dem du Short Calls im Geld hältst, vergleichst du den verbliebenen Zeitwert mit der erwarteten Ausschüttung. Liegt der Zeitwert darunter, ist Andienung wahrscheinlich, und Rollen oder Schließen ist die saubere Antwort.

Und unabhängig davon: einmal im Jahr den Kontoauszug nach diesen Zeilen durchsuchen, statt sie erst beim Steuerberater zu entdecken.

Wo du die Zeilen findest

Im Activity Statement stehen Dividenden und Ersatzzahlungen in den Bartransaktionen, jeweils mit eigener Bezeichnung. Für die regelmäßige Auswertung baust du dir dafür einmal eine Flex Query mit dem Abschnitt zu Bartransaktionen und bekommst ab dann bei jedem Export dieselben Spalten.

Die Auswertung selbst läuft danach über das Table-Modul von Tradility: nach Typ gruppieren, Dividenden und Ersatzzahlungen getrennt summieren, Quellensteuerzeilen danebenlegen, in Euro umrechnen. Für die GmbH ist der Weg im Artikel zu den Optionsgewinnen in der GmbH Schritt für Schritt beschrieben, für das Privatdepot funktioniert er genauso.

Der Kontotyp selbst ist übrigens eine Entscheidung, die du bei der Eröffnung triffst. Wer über einen Introducing Broker wie CapTrader zu Interactive Brokers kommt, kann die Frage nach Cash- oder Margin-Konto dort vorab klären, bevor sie sich das erste Mal im Kontoauszug zeigt.

Häufige Fragen

Was bedeutet Payment in Lieu of Dividend?

Eine Ersatzzahlung für eine Dividende. Sie wird gebucht, wenn die Aktie am Dividendenstichtag verliehen oder verpfändet war, und als Belastung, wenn eine Short-Position besteht. Der Betrag entspricht der Ausschüttung, der Vorgang ist ein anderer.

Verliere ich dadurch Geld?

Der Bruttobetrag entspricht der Dividende. Der mögliche Nachteil liegt bei der Steuer, insbesondere bei der Anrechnung ausländischer Quellensteuer, die bei einer Ersatzzahlung nicht gleich behandelt wird wie bei einer Dividende.

Wie vermeide ich Payments in Lieu?

Vollständig nur mit einem reinen Cash-Konto, weil der Broker dort keine Stücke verleihen oder verpfänden darf. Wer am Verleihprogramm teilnimmt, kann die Teilnahme beenden. Bei einem Margin-Konto bleibt ein Restrisiko bestehen.

Warum bekomme ich eine PIL, obwohl ich nichts verliehen habe?

Weil ein Broker, der Käufe über Margin finanziert, die Wertpapiere dieses Kunden verleihen oder als Sicherheit verpfänden darf. Dafür braucht es keine gesonderte Zustimmung über die Kontoeröffnung hinaus.

Was hat eine Payment in Lieu mit Short Calls zu tun?

Fällt der Zeitwert eines Short Calls im Geld kurz vor dem Ex-Tag unter die erwartete Dividende, wird vorzeitige Andienung wahrscheinlich. Danach ist man über den Stichtag short in der Aktie und schuldet die Ausschüttung, die als PIL belastet wird.

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Dieser Beitrag erklärt die Mechanik einer Dividendenersatzzahlung und ist weder Steuer- noch Anlageberatung. Die steuerliche Behandlung hängt vom Einzelfall ab, insbesondere bei der Anrechnung ausländischer Quellensteuer. Kläre das mit deinem Steuerberater, bevor die Erklärung rausgeht.